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Zentrale Konzepte zu Monumentalität und Sozialer Differenzierung

Monumentalität repräsentiert sowohl in schriftlichen als auch nicht-schriftlichen Gesellschaften eine Form der Vergegenständlichung eines offensichtlichen Erinnerungsvermögens, das ein Bewusstsein über die historische Dimension des Handelns beteiligter Personen oder Gruppen beinhaltet. Insbesondere Assmann hat sich mit dieser Thematik aus einer ägyptologischen Perspektive auseinandergesetzt. Die intensive Diskussion seiner Thesen ermöglicht die konsequente Interpretation auch prähistorischer Monumente im Rahmen eines phänomenologischen Gestaltungswillens.

Im Rahmen der prähistorischen Archäologie standen und stehen Monumente zwar immer wieder im Vordergrund des Interesses – konzeptionell werden aber auf mitteleuropäischer Seite zumeist nur beschränkt kulturwissenschaftliche Interpretationsmöglichkeiten abgehandelt:

  • Arbeitsleistungsrekonstruktionen, um die Bedeutung oder Nicht-Bedeutung monumentaler Konstruktion darzustellen;

  • Lage- und neuerdings vor allem Sichtbarkeitsanalysen, um die Bedeutung oder Nicht-Bedeutung von Monumenten erkennen zu können;

  • Darstellungen von Reichtumsunterschieden zwischen oberirdischen und nicht sichtbaren Grabmonumenten, um vermeintliche soziale Unterschiede zu erkennen.

Im Bereich der angelsächsischen und partiell auch der skandinavischen Forschung bestehen hingegen Auswertungskonzepte, bei denen die materiellen Hinterlassenschaften und deren chronologische und chorologische Position oft in den Hintergrund treten. Erinnert sei an den frühen Versuch, nicht-megalithische Langhügel strukturell aus frühneolithischen Langbauten abzuleiten (HODDER 1984), wofür immer noch schlüssige archäologische Fallstudien fehlen.

Soziologische und sozialanthropologische Konzepte rücken immer stärker in den Vordergrund der Untersuchungsstrategien und Interpretationsansätze zu gesellschaftlichen Entwicklungen und der Bedeutung von Monumentalität im Neolithikum. So können einerseits aufgrund der neuen Ergebnisse der Isotopie menschlicher Knochen feinchronologische Differenzierung und Ernährungsunterschiede von Gruppen innerhalb der Trichterbechergesellschaften untersucht werden. Andererseits lassen Berechnungen von Populationsgrößen im Zusammenhang mit Aufwand und Beigabenvielfalt bei Gräbern Ergebnisse zur Strukturierung verschiedener Regionalgruppen erwarten.