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Tradition, Technologie und Kommunikationsstrukturen des Töpferhandwerks der Trichterbecherkultur

Forschungsgeschichte

Studien zur trichterbecherzeitlichen Keramik konzentrieren sich für gewöhnlich auf formale Gefäßmerkmale, die zur Datierung und zur regionalen Gruppengliederung der TBK herangezogen werden können. Hingegen werden Aspekte der Keramiktechnologie bislang nur am Rande untersucht, obwohl durch ihre Analyse häufig wichtige Hinweise auf kulturelle Kontakte zwischen verschiedenen Siedlungsgebieten gewonnen werden können. Lediglich für einzelne neolithische Siedlungsräume liegen bereits umfangreiche Untersuchungen zum Töpferhandwerk der TBK vor, die wesentliche neue Erkenntnisse über die regionalen Kommunikationsstrukturen erbracht haben.

Dies gilt insbesondere für den südskandinavischen Raum (Hulthén 1977; Brorsson 2007; Hallgren 2008; Larsson 2009). Vor allem die Studien von Brigitta Hulthén können als grundlegende Arbeiten auf diesem Gebiet angesehen werden. Anhand archäometrischer Analysen konnte sie eine analoge Keramiktradition zwischen der Ertebølle-Kultur, der frühen TBK bis zum Mittelneolithikum nachweisen. Hingegen fanden sich wesentliche Unterschiede in der Herstellungstechnik zwischen der TBK und der Einzelgrabkultur (Hulthén 1977, 205 ff.). Weitere naturwissenschaftliche Untersuchungen wurden an neolithischer Keramik aus Kujawien, Zentralpolen, durchgeführt (Daszkiewicz u. Prinke 1999, 299 ff.). Dabei weist die gezielte Ausbeutung von Lagerstätten tertiärer Tone auf eine Spezialisierung des Töpferhandwerks dieser Region hin. Aus dem norddeutschen Raum wurden bislang nur vereinzelt technologische Aspekte in die Auswertung neolithischer Keramik miteinbezogen. Zu nennen sind hier die Arbeiten zur Keramik der Siedlung Hüde I am Dümmer (Drews 1976/77; Kossian 2007) sowie der Siedlungen Siggeneben und Neunkirchen-Bostholm (Hulthén 1983; Meurers-Balke u. a. 1985, 314 ff.).

 

Ziele und Methoden

Im Rahmen des Projektes sollen Informationen über die Keramiktechnologie und die damit verbundenen handwerklichen Traditionen in der TBK erarbeitet werden. Anhand von räumlichen Gemeinsamkeiten der eingesetzten Technologien können Erkenntnisse zu regionalen  Traditionsräumen und Grenzen zwischen verschiedenen Siedlungsgebieten gewonnen werden. Darüber hinaus ergeben sich Hinweise auf kulturelle Kontakte zwischen einzelnen Siedlungsräumen, so dass ein wichtiger Beitrag zur Rekonstruktion von Kommunikationsstrukturen in der TBK geleistet werden kann. Zudem soll geklärt werden, ob bereits eine Professionalisierung in der Keramikproduktion stattfand und sich erste spezialisierte Töpfereizentren entwickelten.

Auch wird es voraussichtlich möglich sein, anhand der eingesetzten Keramiktechnologien die Interaktion zwischen Siedlungen und Monumenten (Erdwerken und Megalithgräbern) auf der Ebene der Mikroregionen zu analysieren. Gab es beispielsweise Grabkeramik, die nur in bestimmten Siedlungen hergestellt worden ist? Außerdem wird untersucht, ob die Verbreitung gleicher Töpfertechnologie mit den Verteilungsmustern, die anhand formaler Keramikstile herausgearbeitet worden sind, übereinstimmt. Des Weiteren sollen archäometrische Untersuchungen der Keramik zur Klärung von Kontinuitätsfragen am Beginn der TBK zu mesolithischen Gruppen sowie am Ende zur Einzelgrabkultur beitragen. Gemeinsamkeiten in der Keramiktechnologie könnten dabei auf einen Technologietransfer und auf mögliche Verbindungen zwischen den Kulturen hinweisen.

Es werden verschiedene naturwissenschaftliche Analyseverfahren an einer Auswahl von Keramikfragmenten aus den unterschiedlichen Arbeitsgebieten des SPP durchgeführt, um detaillierte Informationen zur Keramiktechnologie zu erhalten. Dabei werden Aspekte wie Rohstoff, Magerung, Brennatmosphäre sowie verschiedene metrische Daten der Keramik erfasst und ausgewertet.

Um die Zusammensetzung des Rohstoffes, das Magerungsmittel sowie die Korngrößen zu bestimmen, werden Dünnschliffe von der Keramik angefertigt. Darüber hinaus ermöglichen Thermal Colour Tests die Rekonstruktion der Brennatmosphäre. Auch können die Ergebnisse dieser Analyse dazu beitragen, im Töpferofen gebrannte Keramik von solcher zu unter­scheiden, die im offenen Feldbrand hergestellt worden ist. Des Weiteren sind chemische Analysen zur Charakterisierung des Ausgangstones geplant, um beispielsweise nicht vor Ort hergestellte Gefäße als Importe identifizieren zu können. Die Ergebnisse der verschiedenen Analyseverfahren werden anschließend in einen regionalen und chronologischen Kontext gestellt, so dass handwerkliche Traditionsräume in der TBK rekonstruiert werden können.

 

Polierte Bruchkante einer Scherbe aus Lavenstedt, Ldkr. Rotenburg (Wümme)
Polierte Bruchkante einer Scherbe aus Lavenstedt, Ldkr. Rotenburg (Wümme)
Polierte Bruchkante einer Scherbe aus Triwalk, Lkr. Nordwestmecklenburg
Polierte Bruchkante einer Scherbe aus Triwalk, Lkr. Nordwestmecklenburg
Polierte Bruchkante einer Scherbe aus Büdelsdorf, Kr. Rendsburg-Eckernförde
Polierte Bruchkante einer Scherbe aus Büdelsdorf, Kr. Rendsburg-Eckernförde