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Tradition, Technologie und Kommunikationsstrukturen des Töpferhandwerks der Trichterbecherkultur
Dünnschliff einer mit Granit gemagerten Scherbe aus Lavenstedt, Ldkr. Rotenburg (Wümme)
Dünnschliff einer mit Granit gemagerten Scherbe aus Triwalk, Lkr. Nordwestmecklenburg
Dünnschliff einer mit Schamotte gemagerten Scherbe aus Flintbek, Kr. Rendsburg-Eckernförde

Laufende Arbeiten

Zurzeit werden Keramikfragmente, die die in den unterschiedlichen Arbeitsgebieten des SPP vertretenen Keramikwaren repräsentieren, angeschliffen und poliert. Auf diese Weise werden die Textur und die Magerung der Scherben deutlich sichtbar. Unter dem Mikroskop können dann die verschiedenen technologischen Merkmale analysiert werden, so dass eine Grup­pie­rung nach Warenarten möglich ist.

In einem weiteren Schritt werden von einer Auswahl der Scherben Dünnschliffe angefertigt. Diese werden anschließend mit einem Polarisationsmikroskop untersucht und mittels eines Bildverarbeitungsprogramms qualitativ ausgewertet. Auf diese Weise kann auch die mineralogische Zusammensetzung der Keramik bestimmt werden und zugesetzte Magerungsmittel können von den Rohtonen sicher unterschieden werden. Darüber hinaus werden zur Rekonstruktion der ehemaligen Brenntemperatur Thermal Colour Tests durchgeführt. Zudem finden chemische Analysen mittels ICP (Inductively Coupled Plasma) statt. Die Analyse der vorhandenen Spurenelemente im Ton ermöglicht es, Unterschiede in der Zusammensetzung verschiedener Tone zu erfassen, so dass Hinweise auf die Herkunft der Keramik gewonnen werden können. Auch die im Ausgangston eingelagerten, fossil erhaltenen Organismen können als wichtige Bioindikatoren zur Bestimmung potenzieller Tonvorkommen herangezogen werden.

Die Ergebnisse der verschiedenen Analyseverfahren werden anschließend zusammengetragen und in einen regionalen und chronologischen Kontext gestellt. Dabei sind mittels mengenstatistischer Analysen der Datenserien auch überregionale Vergleiche möglich, so dass Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Töpfertraditionen dargestellt werden können.

Während der aktuell laufenden Projektphase steht vor allem die generelle, großräumige Charakterisierung der Töpfereitechnologie im Mittelpunkt. Die Analysen zeigen, dass im gesamten Arbeitsgebiet nahezu ausschließlich zerstoßener Granit als Magerungsmittel verwendet worden ist. Ein Viertel der untersuchten Scherben weisen ein zusätzliches Magerungsmittel auf, das in kleiner Menge neben Granit hinzugefügt worden ist. Dabei handelt es sich um organische Materialien, Sand, Schamotte und Flint. Erste überregionale Vergleiche hinsichtlich der Korngröße und der Menge der verwendeten Magerung deuten auf regionale Unterschiede in der Keramiktechnologie hin. Somit lassen die bisher erzielten Ergebnisse den Schluss zu, dass es im Untersuchungsgebiet verschiedene überregionale handwerkliche Traditionsräume gegeben hat, für die jeweils eine gemeinsame Keramiktradition angenommen werden kann (Nösler u. a. 2012).

 

Geplante Arbeiten

Im weiteren Verlauf des Projektes soll verstärkt Keramik von Fundplätzen einzelner Mikroregionen in die Untersuchung miteinbezogen werden. Technologische Gemeinsamkeiten in der Keramikherstellung weisen auf Verbindungen zwischen verschiedenen Fundplätzen innerhalb eines Siedlungsraumes hin, so dass die Interaktion zwischen benachbarten Siedlungen und zwischen Siedlungen und Megalithgräbern rekonstruiert werden kann. Beispielsweise könnte geklärt werden, in welcher Siedlung die als Beigaben genutzten Gefäße eines Grabes hergestellt worden sind. Auf diese Weise können Keramikanalysen einen wichtigen Beitrag zum Verständnis regionaler Kommunikationsstrukturen in der Trichterbecherkultur leisten.