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Monumentale Grabenwerke, nichtmegalithische und megalithische Grabbauten des Früh- und Mittelneolithikums in Schleswig-Holstein: Untersuchungen zu Baugeschichte, Datierung, Funktion und Landschafts­bezug der Kleinregionen Büdelsdorf und Albersdorf

Arbeitsprogramm

Die archäologischen Arbeiten zum Grabenwerk Büdelsdorf betreffen primär die Aufarbeitung der Funde und Befunde. Alle Arbeiten sind in ein GIS einzuspeisen, das aus einer Fund- und Befunddatenbank und den vektorisierten Befundeinheiten bestehen soll. Begleitend ist eine Datenaufnahme durch naturwissenschaftliche Disziplinen angedacht, die sowohl vorhandene Proben der Grabungen nutzen als auch im Rahmen eines neuen Transektes gewonnen werden. 40.000 Scherben von 11.000 Gefäßen sollen nach dem Aufnahmeprinzip NoNeK aufgenommen werden und eine Funddatenbank in der zu schaffenden Gesamtdatenbank Büdelsdorf/Borgstedt bilden. Neben der Keramik sind Rotlehme und Felsgesteine in Datenbanken aufzunehmen. Das bereits aufgearbeitet vorliegende Flintmaterial (ca. 80.000 Einheiten) soll in die Artefaktgruppendatenbank integriert werden. Insgesamt wird die Artefaktgruppendatenbank ca. 100.000 Fundeinheiten umfassen. Der bereits im Manuskript vorliegende Befundkatalog soll in eine Befunddatenbank in der zu schaffenden Gesamtdatenbank umgesetzt werden. Die Ansprache der Befunde und die Stratigraphie insbesondere der Gräben sind zu erarbeiten. Basis der Gesamtauswertung bildet der vektorisierte Gesamtplan aus allen räumlich-topografischen Informationen. Radiometrische Datierungen sind anzufertigen, um mit Hilfe unterschiedlicher Kalibrationsverfahren (z. B. sequentielle Kalibrationen von erarbeiteten Stratigraphien) eine genauere Datierung einzelner Teilabschnitte des Grabenwerkes zu erlangen. Vorhandene Bodenproben aus den Grabungen sind auszuwerten in Bezug auf archäobotanische, anthrakologische und sedimentologische Aspekte. Zur Umweltrekonstruktion, insbesondere auch der Entwicklung der Eiderniederung und der unterschiedlichen Einflüsse der Tidewasserstände auf den betroffenen Zeitraum soll ein Transekt angelegt werden, dass von den beteiligten zentralen Schwerpunktmodulen für naturwissenschaftliche Analysen benutzt werden kann. Als Synthese soll ein Modell zur Funktionsansprache einzelner Bereiche des Grabenwerkes und der Gesamtanlage – feinchronologisch differenziert – vorgenommen werden.

Vergleichbar der Situation Büdelsdorf liegt die Dokumentation der sehr guten Grabungen der 12 Grabanlagen vor. Innerhalb des ersten Projektjahres sind sämtliche Pläne der megalithischen und nichtmegalithischen Grabanlagen aus Borgstedt digitalisiert und in ein GIS integriert worden. Die Aufnahme der etwa 11.000 Keramikscherben aus den Borgstedter Gräbern in die Projektdatenbank nach den Kriterien des NoNeK Aufnahmesystems wurde begonnen und erste Fundkartierungen durchgeführt. Ferner wurde mit der Erstellung eines Befundkatalogs begonnen. Als nächste Schritte sollen paläobotanische, anthrakologische und sofern möglich pollenanalytische Analysen der naturwissenschaftliche Proben durchgeführt werden. Skelettreste sollen anthropologisch bestimmt und naturwissenschaftlich analysiert werden, u. a. auch für radiometrische Datierungen.

Mit den gewonnen Daten sollen Analysen durchgeführt werden, die einerseits jedes Grab separat erfassen, andererseits den Gesamtfriedhof in einer feinchronologischen Abfolge bringen. Dabei wird der Vergleich der unterschiedlichen Grabtypen von entscheidender Bedeutung sein.

In der Mikroregion Albersdorf müssen weitere gezielte Geländearbeiten stattfinden, um den Charakter der Megalithgräber chronologisch, funktional und in ihrem Raumbezug zueinander und zum Grabenwerk zu klären. Paläoökologische Rekonstruktionen sind hier unabdingbar. Beides baut auf den erwähnten Vorarbeiten auf.

An den Megalithgräbern Brutkamp, Gieselau-Süd und den Langbetten und Rundhügeln im Bredenhoop, sowie am Grabenwerk auf dem Dieksknöll fanden innerhalb des ersten Projektjahres intensive Prospektionen statt. Die geophysikalischen Untersuchungen am Grab Gieselau-Süd weisen darauf hin, dass es sich bei der Fundstelle höchstwahrscheinlich um einen von einem Rundhügel eingefassten Dolmen handelt. Im Bredenhoop ließ sich mit Hilfe der Geomagnetik das Vorhandensein eines bisher nicht bekannten Langbetts feststellen. Am Brutkamp konnten mittels einer Sondagegrabung gesicherte Daten zur Bau- und Nutzungszeit sowie zur Grabkonstruktion gewonnen werden. Das Grabenwerk auf dem Dieksknöll wurde auf einer größeren Fläche untersucht, wobei sich die im Luftbild erkennbare Durchgangskonstruktion in Form eines Querriegels bestätigte. Eine Reihe von Radiokarbondaten aus der Durchlasskonstruktion und angrenzenden Grabenabschnitten ergab zum einen die angenommene Errichtungszeit im Frühneolithikum, zum anderen eine vormals nicht bekannte jungneolithische Nachnutzung der Anlage. In der Grabung 2010 ergaben sich Hinweise auf weitere Grabenstrukturen außerhalb des Grabenwerkes, deren möglicher Verlauf bzw. deren Bezug zum neolithischen Grabenwerk durch großflächige geophysikalische Messungen erkundet werden muss. Obwohl beim derzeitigen Projektstand kaum davon ausgegangen werden kann, dass im Grabenwerk keine Innenbebauung vorliegt, soll dies durch großflächiges maschinelles Abschieben des Oberbodens endgültig überprüft werden. Hierfür sollen drei 175 m lange und 1,5 m breite Sondageschnitte angelegt werden.

Um zu klären ob auch die anderen Gräber der Mikroregion bereits gleichzeitig mit dem Grabenwerk oder erst nach diesem einsetzen, sind Grabungen bzw. Sondagen im Bredenhoop vonnöten. Diese sollen sich auf zwei Langbetten beschränken. Die übliche naturwissenschaftliche Begleitung wird helfen, neben den archäologischen Funden insbesondere paläoökologische Informationen zu Proben zur AMS-Datierung zu liefern. Aufgrund der Ergebnisse der Sondagen soll ein Grab zur größeren Grabung ausgesucht werden. Ein bodenkundliches Transekt, das bereits südlich der AÖZA zur Gieselau hin angelegt worden war (Reiß u. a. 2006), soll erweitert werden, um Proben für Datierungen und anthrakologische Untersuchungen zu bekommen. Die Auswertungsarbeiten umfassen die Befund- und Fundaufarbeitung, die Dokumentation und Analyse der ergrabenen Befunde und Funde auf der Basis des GIS-Systems.

Durch die nachweislich rituelle Funktion des Grabenwerks stellt sich die Frage nach der zu Grabenwerk und Gräbern gehörigen trichterbecherzeitlichen Siedlung. Die Prospektion einer solchen Siedlung im näheren Umkreis der Megalithgräber und des Grabenwerkes soll grundlegende Fragen zum Raumordnungs- bzw. Nutzungskonzept zu beantworten. Hierfür sind drei Flächen in einem Umkreis von einem halben Kilometer um das Grabenwerk und die Grabanlagen vorgesehen, auf denen intensive Feldbegehungen verbunden mit punktgenauer Fundeinmessung stattfinden sollen.