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Entstehung, Funktion und Landschaftsbezug von Großsteingräbern, Grabenwerken und Siedlungen der Trichterbecherkulturen in der Region Haldensleben-Hundisburg

Das Forschungsprojekt

Lage des Untersuchungsgebiets
Lage des Untersuchungsgebiets

Die Region des Forschungsprojektes liegt südwestlich von Haldensleben (Ldkr. Börde, Sachsen – Anhalt), an der Grenze zwischen dem Norddeutschem Flachland und der Mittelgebirgszone. Mitten durch die Region fließt die Beber, sie trennt die Altmoränenlandschaft im Norden von den Lössböden im Süden. Diese geomorphologische Grenze geht einher mit einer der bedeutendsten kulturchronologischen Bruchzonen im europäischen Neolithikum.

Bis an die Beber dringen um 5.500 v. Chr. die ersten neolithischen Ackerbauern vor, deren archäologische Spuren sich bis an die Donau verfolgen lassen. Mit ihrer sesshaften Lebensweise, dem Ackerbau und der Viehzucht veränderten sie ihre Umwelt nachhaltig. Das Gebiet nördlich der Beber wird aber erst über eineinhalb Jahrtausende später mit der Trichterbecherkultur für die bäuerliche Wirtschaftsweise erschlossen. Es wurden monumentale Grabbauten aus Findlingen in der Landschaft errichtet, während südlich der Beber, im neolithischen Altsiedelland, zahlreiche monumentale Grabenwerke entstanden.

Im Untersuchungsgebiet lässt sich die Entwicklung von Monumentalität aus zwei grundsätzlich verschiedenen, neolithischen Traditionen in unmittelbarer Nachbarschaft besonders gut beobachten.

Ziele des Projekts

Region Haldensleben
Region Haldensleben

Die Region Haldensleben-Hundisburg wird noch heute von über 130 Megalithgräbern der Trichterbecherkultur (ca. 4200–2800 v. Chr.) geprägt. Mit zahlreichen Grabenwerken, Siedlungen und Einzelfunden bilden sie den archäologischen Schatz dieser einmaligen Denkmallandschaft auf der Grenze zwischen Altmoränen- und Lösslandschaft.

Ziel ist die Rekonstruktion der trichterbecherzeitlichen Siedlungs- und Grablandschaft, wobei ein besonderer Fokus auf den Bezügen zwischen Megalithgräbern, Siedlungen und Grabenwerken vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Traditionen (u.a. Keramikstile) liegen wird. Hierbei sollen folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie kann die hohe Befunddichte erklärt werden (Erhaltungsbedingung, chronologische Differenzierung, Bevölkerungsdichte etc.)?
  • Wie und wann entsteht die Megalithgrabsitte in der Region? Steht diese chronologisch in Zusammenhang mit der Anlage von Grabenwerken?
  • Wie ist das Verhältnis zwischen Megalithgräbern, Siedlungen und Grabenwerken zu beschreiben und zu erklären? Lassen sich bestimmte Raumordnungsfaktoren nachvollziehen?
  • Welchen Einfluss auf die natürliche Umwelt können wir warum im Arbeitsgebiet feststellen (human impact, Bevölkerungsdichte)?
  • Welchen Einfluss hat die geographische Lage im landschaftlichen Grenzbereich auf die kulturellen Beziehungen in der Kontaktzone zwischen nördlicher und südlicher TBK? Welche Bedeutung hat die Ost-West-Achse (Braunschweiger Land - Elbe)?
  • Welche Aussagen zur Gesellschaftsstruktur sind möglich (wertebesetzte Artefakte, Arbeitsteilung, Verwandtschaftsanalysen)? Welche Bedeutung hat die Monumentalität in diesem Kontext?

Der Haldenslebener Forst

Grabanlagen im Haldenslebener Forst.
Grabanlagen im Haldenslebener Forst. Die Größe der Symbole spiegelt die Größe der Grabanlagen wider.

Im Zentrum des Untersuchungsgebietes von fast 150 km² liegt der Haldenslebener Forst. Mit seiner weitgehend vollständig bewaldeten Fläche von 6,7 km² stellt er nur einen Bruchteil des gesamten Waldbestandes von 42 km² im Arbeitsgebiet dar. Dennoch befinden sich hier 55 bekannte Megalithgräber, von denen noch 49 erhalten sind. Im übrigen Arbeitsgebiet sind dementgegen nur 82 weitere Megalithgräber bekannt, von denen nur noch 36 erhalten sind.

Mit einer Dichte von 8 Gräbern je Quadratkilometer stellt der Haldenslebener Forst ein einmaliges Denkmalensemble dar. Dabei sind die Grabanlagen nicht gleichmäßig verteilt. Während die sehr großen Anlagen von über 30 m Länge annähernd regelmäßig, mit weitgehend identischem Abstand verteilt sind, liegen die mittleren Grabanlagen von 16 bis 30 m Länge eher zufällig verstreut im Gebiet, sind also mit unregelmäßigen Abständen verteilt. Die kleinen Grabanlagen sind deutlich in zahlreichen Gräbergruppen angeordnet.

In der hoch auflösenden Höhenvermessung des Waldgebietes mit Laser aus der Luft (airborn Laserscanning) sind zahlreiche weitere Verdachtsflächen für Megalithgräber zu erkennen. Im Haldenslebener Forst ist noch so manches Megalithgrab zu vermuten und eine Vielzahl von Überraschungen zu erwarten.

Im Rahmen des Forschungsprojektes ist die gezielte Begehung und neue Vermessung sowohl der Verdachtsflächen als auch der bekannten Anlagen geplant. Die hierdurch gewonnenen Informationen ermöglichen eine diffenzierte Analyse innerhalb eines Geographischen Informationssystems (GIS) mit räumlich-statistischen Verfahren.

Beberberg

Beberberg, alte Flurkarte
Beberberg, alte Flurkarte

Nördlich des Ortes Hundisburg, von diesem durch den Taleinschnitt der Beber getrennt, liegt der Beberberg. Hier steht heute nur noch ein unversehrtes Megalithgrab, eine alte Flurkarte und weitere Archivalien weisen jedoch auf eine kleine Gräbergruppe von insgesamt vier Anlagen hin.

Die Separationskarte von 1830 weist vier ungewöhnliche, spindelförmige Flächen zwischen den einzelnen Feldfluren auf. Diese deuten auf Hindernisse im Acker hin, die beim Pflügen ausgespart wurden. Wird das bekannte Megalithgrab auf der historischen Karte eingetragen, liegt es exakt in einer der Spindeln. Die verbleibenden Aussparungen können analog mit den zerstörten Grabanlagen in Verbindung gebracht werden.

Die vier Megalithgräber bilden eine kleine Gruppe in exponierter Lage über dem Bebertal, eine Art "Vorposten" des Haldenslebener Forstes. Weitere, ähnlich gelagerte Grabgruppen, finden sich 1,4 km östlich, am Hühnerberg, und 1,7 km westlich, am Rande des Pieperbergs bei Bebertal. Zu jeder Grabgruppe findet sich auf dem südlichen Beberufer, in nicht minder prominenter Lage, ein Grabenwerk.

Das Pendant zur Grabgruppe auf dem Beberberg müsste sich auf dem Schlossberg in Hundisburg befinden, von dem durch die weitgehende Bebauung bisher leider keine Belege bekannt sind. Doch findet sich nur 400 m westlich, auf einem steil zur Olbe und der Beber hin abfallenden Plateau, ein weiteres Grabenwerk.

Das Grabenwerk am Oldetal

Denkmalensemble
Grabenwerk vom Olbetal südlich des Bebertals (1), Megalithgrabgruppe nördlich des Bebertals (2), großflächige Siedlung (3), Gräberfeld (4)

Bei Hundisburg, 1 km südöstlich des Haldenslebener Forstes, liegen das Grabenwerk vom Olbetal (1) südlich und eine Megalithgrabgruppe (2) nördlich des Bebertals. Zusammen mit einer großflächigen Siedlung (3) und einem Gräberfeld (4) bilden sie ein besonderes Denkmalensemble unmittelbar auf der Grenze zwischen Altmoränenlandschaft im Norden und Lösslandschaft im Süden.

Das Grabenwerk oberhalb des Olbetals ist schon lange durch Funde, welche beim Pflügen an die Oberfläche gelangen, bekannt. Die exakte Lage und die Struktur hingegen ergeben sich aus dem unterschiedlichen Wachstum der Pflanzen über den Gräben, dies ist aus der Luft besonders gut zu erkennen (Luftbildarchäologie).

Eine doppelte Grabenanlage in der Form einer Abschnittbefestigung begrenzt den im Westen steil abfallenden Sporn. Weitere Gräben im Inneren und zahlreiche Gruben südlich belegen zusammen mit den umfangreichen Lesefunden eine intensive Siedlungstätigkeit.

Das Forschungsprojekt soll zum einen die Struktur der Anlage klären, zum anderen gilt ein besonderes Interesse aber seiner zeitlichen Entwicklung. Entsteht die Anlage in einem Zug oder ist sie mehrphasig? Entsteht sie gleichzeitig mit den Megalithgräbern nördlich der Beber und ist sie Folge eines veränderten Gesellschaftsgefüges im Grenzgebiet zweier archäologischer Kulturen?