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Entstehung, Funktion und Landschaftsbezug von Großsteingräbern, Grabenwerken und Siedlungen der Trichterbecherkulturen in der Region Haldensleben-Hundisburg

Ausgrabung 2011

Hundisburg-Olbetal. Gesamtplan und Phasenkartierung (Stand 2011).
Hundisburg-Olbetal. Modell der Besiedlung nach den Ergebnissen von 2010, Phasen 3 bis 5.

Die Ergebnisse der Ausgrabung von 2010 sind publiziert (Rinne/Müller 2012, Kloos/Kirleis 2012). Im Jahr 2011 wurde eine große Fläche der erkennbaren Innenbesiedlung untersucht. Zwei weitere Schnitte fokussierten auf die Stratigrafie in den Gräben der neolithischen Grabenwerke und die sich innerhalb anschließenden Grubenkomplexe. Eine kleine Testfläche am Steilhang und drei Bodenprofile aus insgesamt 80 Bohrungen galten der Dokumentation der erkennbaren Erosionsprozesse.
Die Inventare der neun Siedlungsgruben der Grabungskampagne von 2011 wurden typochronologisch analysiert . Die Korrespondenzanalyse des Materials zeigt eine zeitliche Abfolge von einem Schönfelder Inventar, über zwei Inventare mit Bernburger Funden bis zu einer dritten Gruppe von Grubeninventaren mit zumeist unverzierter Keramik.

Eine Analyse der gefäßformen zusammen mit dem Fundmaterial einer vergleichbaren Siedlung bei Derenburg (Steinkuhlenberg) bestätigt die vorgenannte Gliederung für das Olbetal. Am Anfang stehen amphorenartige Gefäße, mehrgliedrige Tassen und  zweigliedrigen Schüsseln. Es folgen bauchige Tassen und tonnenförmige Vorratsgefäße Bernburger Typs, an die sich Schönfelder Formen anschließen. Die typologischen Bezüge bestehen überwiegend zu Baalberger und Salzmünder Formen, in Einzelfällen auch zu Gatersleben. Bei differenzierter Betrachtung der Einzelmerkmale: Randform, Randabschluss, Handhaben, Bauchumbruch und Gefäßboden ergibt sich ein Spektrum zwischen Baalberge und Salzmünde.

Nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand beginnt die Besiedlung innerhalb des Grabenwerkes um ca. 3800 cal BC (TRB-MES II/III). Spätestens ab ca. 3500 cal BC (frühes Salzmünde; TRB-MES III) finden trotz fortlaufender Innenbesiedlung erste Verfüllungen der Außengräben (Grabenwerk 3) statt. Bernburg (TRB-MES IV–V) dominiert abschließend im Fundmaterial. Um ca. 2800 cal BC sind alle Gräben endgültig verfüllt und die Besiedlung wird aufgegeben. Eine befestigte Siedlung besteht erneut in der mittleren Bronzezeit.

Ausgrabung Sommer 2010

Phasenkartierung der Befunde Grabenwerk Olbetal.
Verteilung datierter Funde in den Befunden der Untersuchungsfläche 2010.
Verteilung der Funde in den Befunden Grabenwerk Olbetal.
Fundaufkommen für Keramik (rot) und Tierknochen (gelb) in den Befunden der Untersuchungsfläche 2010.

Von August bis September 2010 wurde in sieben Wochen ein 200 m langer und 5,5 m breiter Schnitt durch alle Gräben der Prospektion angelegt und 134 Befunde untersucht. Die Lage und Interpretation der Magnetikbefunde konnten in der Ausgrabung verifiziert werden, es handelt sich um eine große, befestigte Siedlung des Spätneolithikums. Die Tiefe der v-förmigen Gräben in den Grabenwerken 2 und 3 nimmt von außen nach innen ab, Grabenwerk 2 verfügt zudem über eine Palisade auf der Innenseite. Auffällige Neuanlagen und intentionelle Verfüllungen, die als rituelle "recuttings" gedeutet werden, sind nicht erkennbar. Diese Gräben sind eindeutig als Befestigung anzusprechen. Grabenwerk 1 besteht im Unterschied hierzu aus einem einzelnen Sohlgraben, eine neolithische Datierung ist zudem nicht zu belegen. Neben den Gräben belegen über 100 Gruben und 3 Vorratsgruben eine intensive Siedlungstätigkeit.

Das geborgene Fundmaterial umfasst rund 5.500 Keramikfragmente und 1.500 Tierknochen, die zum überwiegenden Teil dem Spätneolithikum zugewiesen werden können und überwiegend aus dem inneren Bereich der Siedlung und dem äußeren Grabensystem stammen. Das typologisch gut ansprechbare Formengut der Bernburger Kultur überwiegt. Daneben kommen aber auch Funde der Walternienburger Kultur und des Haldenslebener Horizontes der Tiefstichkeramik vor. Aus der Kombination von Fundmaterial und stratigrafischen Beobachtungen kann zur Zeit auf eine dreiphasige Siedlungsentwicklung geschlossen werden:

  • Hundisburg 1 (zwischen 3.400/3.300 und 3.100 cal BC)
  • Hundisburg 2 (3.100 bis 2.900 cal BC)
  • Hundisburg 3 (2.900 bis 2.700 cal BC)

Prospektion des Grabenwerks

Grabenwerk Olbetal bei Hundisburg, Kr. Börde

Zwischen den Flüssen Olbe und Beber erhebt sich ein markantes Plateau, von dem zahlreiche mittelneolithische Funde stammen. In einzelnen Luftbildern deutet der unterschiedliche Reifegrad des Getreides zudem auf konzentrische Gräben hin. Durch die geophysikalischen Prospektion von 5,2 ha mit einem 4-Sonden-Magnetometer liegt nun ein präzieser Plan der archäologischen Befunde vor.

In der Vislualisierung der Messwerten sind mehrere Gräben und Grabenbündel deutlich zu erkennen. Besonders ausgeprägt ist der innere Graben mit seinem nach Osten gerichteten Durchlass. Es folt das zum Teil nur sehr schwach ausgeprägte Grabenbündel B auf das das größte Grabenbündel D Bezug nimmt. Letzteres umschließt eine Fläche von ca. 2,8 ha mit einem Gesamtlänge aller Gräben von 1110 m. Mit dem Grabendurchbruch im Süden, in dem auf der innenseite eine große Grube zu erkennen ist, und der fingerartigen Aufgliederung im Norden weist es besondere Merkmale auf. Die Größe und die letztgenannten Merkmale erlauben den Vergleich mit frühen Grabenwerken der Bernburger Kultur und weisen in die Mitte des 4. Jahrtausend vor Christus.

Neben den Grabenwerken sind zahlreiche dunkle Flecken hoher Messwerte zu erkennen, die als Gruben im Untergrund angesprochen werden können. Sie belegen eine intensive Nutzung und Siedlungstätigkeit, die nach den Lesefunden zum Teil der Bernburger Kultur des Mittelneolithikums zuzuweisen ist.

Geophysikalische Prospektion

Geomagnetik Grabenwerk Olbetal
Grabenwerk Olbetal, Detailansicht

In der archäologischen Forschung werden diverse Prospektionsverfahren eingesetzt, um zeitnah, ohne den zeitaufwändigen und gegebenenfalls kostenintensiven Bodeneingriff einer archäologische Ausgrabung, Aussagen über die archäologische Denkmale im Untergrund zu treffen. Neben dem traditionellen Verfahren der Feldbegehung und der bekannten Luftbildarchäologie, existieren weitere Verfahren, welche die unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften des Untergrundes nutzen.

Neben Georadar und Geoelektrik ist die Geomagnetik das gängigste Verfahren in der Archäologie. Die Geomagnetik nutzt das Erdmagnetfeld, dessen Feldlinien wie bei einem Stabmagneten in Linien vom Süd- zum Nordpol verlaufen. Diese Feldlinien werden durch magnetisierbares Material messbar beeinflusst, wobei die Stärke archäologische Befunde meist zwischen 0 und 50 nT (Nanoteslar) liegt. Die Abweichungen vom natürlichen Magnetfeld der Erde von ca. 48000 nT ist also minimal und bedarf eines entsprechend hochempfindliche Messgerätes.

Die Magnetisierbarkeit (Suszeptibilität) des Bodens hängt im wesentlichen von Eisenverbindungen ab, aber auch die an der Zersetzung organischer Bestandteile beteiligte Bakterien können die Messergebnisse beeinflussen. Gebrannte Objekte aus Ton - Feuerstellen, Öfen und Dachziegel - weisen eine dauerhafte (thermoremanente) Magnetisierung auf und sind als deutliche Anomalien in den Messwerten zu erkennen. Nicht oder nur schwach magnetisierbares Material, wie z. B. Kalkstein und auch Löss, weisen keine Anomalien auf und sind dadurch ggf. auch erkennbar. Sehr gut magnetisierbar und als starke Störkörper leicht zu identifizieren sind fast alle Metallobjekte. Das hier beschriebene Verfahren wird den meisten durch die Missweisung eines Kompass im Einflussbereich großer Metallkörper bekannt sein.

In der Archäologie ist die Geomagnetik erstmals ende der 1960'er zum Einsatz gekommen (Scollar 1969), ein breitere Einsatz erfolgte aber erst in den 1990'ern durch zunehmend günstigere Messtechnik und  die weite Verbreitung von PC's für die Visualisierung der Messergebnisse (Scollare u.a. 1990). Moderne Geräte verfügen meist über mehrere Messsonden und werden z. T. sogar mit Wagen oder Traktoren gezogen.  Für die Interpretation der Messdaten werden diese in ihrem Raumbezug dargestellt, wobei heute in der Archäologie nahezu ausschließlich ein Graustufenbild erzeugt wird. Je nach Stärke und Richtung der Amplitude, bzw. der Anomalie, werden zunehmend helle oder dunkle Bildpunkte gesetzt. Im Idealfall entsteht eine "Fotografie" der Strukturen im Boden.

Literatur:

SCOLLAR 1969    I. Scollar, A programm for the simulation of magnetic anomalies of archaeological origin in a computer. Prospezioni Archaeologiche 4, 1969, 59-83.

SCOLLAR u.a. 1990    I. Scollar/A. Tabbagh/A. Hesse/I. Herzog, Archaeological prospecting and remote sensing  (Cambridge u.a. 1990).