Sie sind hier: Die Projekte / Megalithik Haldensleben / Küsterberg
Entstehung, Funktion und Landschaftsbezug von Großsteingräbern, Grabenwerken und Siedlungen der Trichterbecherkulturen in der Region Haldensleben-Hundisburg

Ausgrabung 2010 und 2012

Haldensleben Küsterberg. Gesamtplan der Schnitte 2010 und 2012.
Luftbild vom Küsterberg am Ende der Ausgrabung (Foto: A. Poppe).

In den zwei Grabungskampagnen von 2010 und 2012 am Megalithgrab Küsterberg konnten die Architektur und die Genese des Grabes geklärt werden. Der Errichtungszeitpunkt wird sich anhand von Holzkohlen aus den Baugruben absolut bestimmen lassen, das geborgene Fundinventar (>2000 Einzelfunde) erlaubt Einblicke in die Bestattungsvorgänge und die Nutzungsdauer des Grabes.

Vor der Errichtung wurde der Bauplatz, ein natürlicher pleistozäner Hügel, abgetragen und ein weitgehend ebener Bauhorizont geschaffen. Die Baugruben für die Megalithen wurden angelegt, bevor die Steine vor Ort waren, da einige Gruben deutlich zu tief geraten waren und für die relativ kleinen Steine wieder aufgefüllt werden mussten. Dieser Befund lässt eine Bauplanung mit synchronen und arbeitsteilig organisierten Aufgaben unterschiedlicher Gruppen erkennen.  Entgegen der normierten Konstruktion in Jochen finden sich beim Küsterberg mehrfach Verbindungen aus drei Orthostaten und einem unregelmäßig geformten Deckstein. Hierin wird, wie bei den Orthostaten, der Mangel an Findlingen geeigneter Größe und Form deutlich. Eine dritte konstruktive Besonderheit stellt die Ausgestaltung des südlichen Kammerzugangs dar.  Ein halbkreisförmiges Pflaster schaffte auf 4 m tiefe einen Raum, der für die Deponierung von Keramik im Rahmen ritueller Handlungen genutzt wurde (>1500 Einzelfunde). Drei Menhire, die durch Standspuren lokalisiert sind, gliederten diesen Raum und vergrößerten den monumentalen Charakter der gesamten Grabanlage.

Die typologisch ältesten Merkmale sind z. Z. der Altmärkischen Tiefstichkeramik (Gruppe Düsedau) zuzuweisen, die Nutzungsdauer kann jedoch noch nicht bestimmt werden. Funde der Kugelamphorenkultur und der Schnurkeramik belegen eine endneolithische Begehung der Grabanlage. Diese blieb bis in die frühe Eisenzeit begehbar, dies belegt die Störung des nordöstlichen Kammerendes und die erkennbare Störung der östlichen Kammerhälfte. Neben einzelnen Fragmenten eines Rauhtopfes erlaubt die Deponierung eines Tongefäßes in Form eines Wasservogels nahe der Kammermitte die typologische Einordnung dieser letztmaligen rituellen Nutzung. Es folgen mittelalterliche und neuzeitliche Eingriffe durch die Landwirtschaft und das Entfernen von Steinen.

Das Megalithgrab Küsterberg

Megalithgrab Küsterberg März 2010 im Schnee.
Das Megalithgrab Küsterberg im März 2010 (Blick von Nordosten).
Modell des Hügels mit eingezeichneten Steinen des Grabes.
Modell des Hügels mit eingezeichneten Steinen des Grabes (Blick von Südwesten).

Der Küsterberg liegt am südöstlichen Rand des heutigen Haldensleber Forstes zwischen Haldensleben und Hundisburg, 2,5 km nördlich des untersuchten Grabenwerkes am Olbetal. Der Untergrund wird aus meist trockenem pleistozänen Sand gebildet, der unmittelbar benachbart z.T. auch auf schwer durchlässigem Lehm und Mergel liegt. Wie mehrheitlich in der Region handelt es sich um Ablagerungen der Saale-Eiszeit. Nördlich des Grabes schließt das weitgehend bewaldete Areal des Haldensleber Forstes an, nach Süden dominiert bereits landwirtschaftliche Nutzfläche das Gelände. Das Grab selbst liegt auf einer mit wenigen hohen Kiefern bestandenen Insel inmitten eines Ackers.

Rund 350 bis 450 Meter in westliche und nordwestliche Richtung liegen zahlreiche Quellen, von denen die bekannteste, der sogenannte Nonnenspring, am Rand der mittelalterlichen Burganlage Wichmannsdorf liegt. Von hier aus wird das Areal entlang eines 400 m nördlich des Megalithgrabes nach Osten verlaufenden Senke entwässert, wobei die eigentlichen Wasserläufe durch ehemalige Wirtschaftseinrichtungen des Zisterzienserklosters bei Neuhaldensleben überprägt sind. Nach Süden erstreckt sich das schwach hügelige Gelände mit Höhen zwischen 85 m und 90 m über 1,5 km bis zur Beber. Abgesehen von der modernen Vegetation besteht nach dem heutigen Relief Sichtverbindung zur Kuppe des Grabenwerkes an der Olbe.

Das obertägig sichtbare Bodendenkmal umfasst einen flachen, Ost-West orientierten Hügel von 40 m auf 22 m und 1 m erhaltener Höhe. Der Hügel ist mit zehn großen Kiefern bewachsen, die in drei Fällen mit ihren Wurzeln das Bodendenkmal erkennbar stören.

Die vorhandenen Steine, vor allem die Decksteine, ragen etwa 0,5 m über das heutige Hügelniveau hinaus. Die eigentliche Kammer ist durch zahlreiche Orthostaten und die Decksteine gut erkennbar, zudem deutet sich der Eingang in der Mitte der südlichen Langseite an. Die Kammer misst ca. 11 m x 2 m und ist exakt Ost-West orientiert. Das zugehörige Bett ist wesentlich schlechter erhalten und misst etwa 19 m x 5 m. Die Kammer ist innerhalb des rekonstruierten Bettes leicht aus dem Zentrum nach Nordwesten verschoben.