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Genese und Struktur der hessisch-westfälischen Megalithik am Beispiel der Soester Gruppe

Laufende Arbeiten

 

Im Mittelpunkt der aktuell laufenden Forschungen steht die Megalithgrabnekropole von Erwitte-Schmerlecke mit mindestens drei Galeriegräbern, von denen zwei momentan dokumentiert werden. Gute Befund- und Funderhaltung, vor allem hinsichtlich menschlicher Skelettreste, lassen neue Erkenntnisse zu Monumentalität und sozialer Differenzierung an der "herzynischen Gebirgsschwelle" erwarten.

Grabungstechnik

Abb. 1 Grabungssituation in Grab II zu Beginn der Arbeiten (Foto K. Peters, LWL).
Abb. 2 Dokumentation der Knochenfunde auf den Farbfotos (Foto M. Baales, LWL).
Abb. 3 Sterile Bergung von Knochen für DNA-Analysen (Foto K. Peters, LWL).

Die komplizierten Fundlagen, die in einem Kollektivgrab zu erwarten sind, stellen höchste Anforderungen an die Grabungstechnik. Wir arbeiten mit einem Quadrantensystem von 0,5 m Kantenlänge (Abb. 1). Alle Funde werden dreidimensional mit dem Tachymeter eingemessen. In einem Abstand von 5 cm Mächtigkeit legen wir Plana an, die fotogrammetrisch erfasst werden, das heißt jeder Quadrant wird in seinen Begrenzungen mittels vorher positionierter Messnägel vermessen und fotografiert. Im Anschluss können die Einzelfotos am Computer mit speziellen Programmen zusammengesetzt werden.

 

 

 

 

Auf den tagesaktuell ausgedruckten Farbfotos der einzelnen Quadranten versehen wir schon während der Grabung die im Planum sichtbaren Knochen mit Fundnummern und zeichnen ihre Umrisse bei der Entnahme ein (Abb. 2). Damit wird die Lage zusätzlich zur Vermessung nochmals festgehalten, was die spätere Rekonstruktion von Individuen erleichtert.

 

 

 

 

 

 

Die Bergung von Knochen- und Zahnmaterial für DNA-Analysen erfolgt steril mit Einmalanzug, Handschuhen und Mundschutz sowie sofortiger Kühlung der geborgenen Funde, damit bestmögliche Bedingungen für die Analysen gegeben sind (Abb. 3). Bereits auf der Grabung geschieht die erste Begutachtung aller Knochenreste durch die bearbeitende Anthropologin.

Große Platten und kleine Steine: die Befunde

Abb. 4 Grabungssituation in Grab II mit Überblick über die Schnitte (Foto K. Peters, LWL).

In der ersten Grabungskampagne stand die Ausgrabung des Kammerinneren beider Anlagen im Vordergrund. Dennoch lassen sich schon jetzt einige Aussagen zur Bauweise der Gräber treffen.

Am Grab „Schmerlecke II“ (Abb. 4) legten wir in der westlichen Hälfte vier Schnitte von 6 m Länge und 2 m Breite an, die durch 1 m breite Stege getrennt waren. In Schnitt 1 konnte das westliche Ende erfasst werden. Hier deutet sich eventuell ein Rest der ehemaligen Hügelschüttung an, der sich als dunkel verfärbter Befund halbkreisförmig um die Schmalseite zieht. In den anderen Schnitten zeigten sich zum Teil gut erhaltene Wandsteine auf der nördlichen und der südlichen Längsseite. Ein Fehlen der Wandsteine auf der Südseite in Schnitt 3 und 4 ist vielleicht auf Eingriffe in den 1950er Jahren zurückzuführen, bei denen nachweislich einige Steine entfernt wurden.

Abb. 5 Grabungssituation in Grab III (Foto H. Menne, LWL).

Parallel dokumentierten wir das Grab „Schmerlecke III“ (Abb. 5), das erst bei den geomagnetischen Prospektionen 2007 entdeckt wurde. Die Erhaltung der Befunde ist durch landwirtschaftliche Arbeiten stärker beeinträchtigt als bei Grab II. Hier konnten wir eine nichtmegalithische Bauweise feststellen: nicht große Platten, sondern kleinteilige Kalksteine als Trockenmauerwerk dienten als Baumaterial. Hervorzuheben ist, dass die Steine rundlich angeordnet wurden, so dass sie die Form eines Findlings nachzuahmen scheinen. Ein ähnlicher Befund ist bisher aus dem nur 3 km entfernten nichtmegalithischen Kollektivgrab von Völlinghausen bekannt. Außergewöhnlich ist auch die Breite des Grabes, die 4,5 m beträgt. Diese zwei unterschiedlichen Baukonzepte in kaum 200 m Entfernung zueinander gilt es weiter zu untersuchen.

Einheimisches und Importiertes: die Funde

Die Grabungen haben in beiden Anlagen viele Funde zutage gefördert, so vor allem Trachtgegenstände wie durchlochte Tierzahnanhänger, die als typischer Schmuck gelten  (Abb. 6). Weiterhin konnten in beiden Gräbern Bernsteinperlen nachgewiesen werden, die wohl aus dem Gebiet der nördlich angrenzenden Trichterbecherkultur stammen, sowie  Kupferschmuck in Form eines kleinen Röllchens, dessen Herkunft untersucht werden soll. Eine Klinge aus Maasfeuerstein, ein Import aus dem niederländisch-belgischen Maasgebiet, sowie das Fragment einer Rundnackenaxt vom Hannoverschen Typ, welches seine besten Entsprechungen im nördlichen Niedersachsen findet, bezeugen weitreichende Fernkontakte. Als Besonderheit kann ein Naturspiel angesehen werden, das offensichtlich einen Weg als Beigabe in das Grab gefunden hat: es handelt sich um ein Bohnerz von vage anthropomorpher Form (Abb. 7).

Abb. 6 Detailaufnahme von Tierzahnanhängern in situ (Foto S. Bußmann, WWU).
Abb. 7 Bohnerz „anthropomorpher“ Form (Foto S. Bußmann, WWU).

Sehr gut erhalten: die menschlichen Knochenreste

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Erhaltung der menschlichen Skelettreste vor allem in Grab II als außergewöhnlich gut zu bezeichnen ist. Besonders in Schnitt 3 konnten wir eine etwa 20 cm hoch erhaltene Ansammlung von Knochen dokumentieren, die es nun gilt anthropologisch zu untersuchen (Abb. 8). In diesem Konglomerat fanden sich vor allem mehrere Schädel, sowie viele Langknochen und allgemein größere Knochenfragmente, die auf eine Stelle gelegt worden sind. Ähnliche Fundlagen sind bereits aus anderen Kollektivgräbern bekannt und werden mit gezielten sekundären Verlagerungen in Verbindung gebracht, um beispielsweise Platz für neue Bestattungen zu schaffen.

Abb. 8 Detailfoto aus Grab II mit menschlichen Skelettresten (Foto K. Peters, LWL).

Anthropologische und paläopathologische Bearbeitung und erste Ergebnisse

Waschen und sortieren der einzelnen Knochen und Knochenfragmente

Anhand der vorhandenen Schädel und Schädelfragmente kann vorläufig eine Individuenanzahl von mindestens 23 bestatteten Individuen in der ersten Grabhälfte angenommen werden.

Abb. 1 Sorgfältige Reinigung der anthropologischen Funde (Foto: E. Oplesch).
Abb. 2 Trocknen der anthropologischen Funde (Foto: S. Klingner).
Abb.3 Trocknen der anthropologischen Funde (Foto: S. Klingner).

Erhaltung der anthropologischen Funde und Ergebnisse

Die menschlichen Skeletfunde aus dem Grab II weisen nicht nur bei makroskopischer Begutachtung eine gute bis sehr gute Erhaltung auf. Auch histologisch, bei der Betrachtung mit dem Lichtmikroskop im polarisierten Durchlicht unter Verwendung eines Hilfsobjekts Rot 1. Ordnung (Quarz) als Kompensator, wird schnell klar, dass hier ein sehr guter Erhaltungszustand des Knochengewebes vorliegt (Abb. 5). Die sehr gut erhaltene Mikrostruktur, das heißt der lamelläre Aufbau der Osteone sowie der Schalt- und Gernerallamellen, ist den folgenden beiden Abbildungen zu entnehmen. Die histologischen Bilder (Abb. 4-5) verdeutlichen, dass das Kollagen im Knochen hervorragend konserviert ist. Dieser Erhaltungszustand begründet einen sehr guten Erfolg bei der Untersuchung alter DNA und der Analyse von stabilen Isotopen. Außerdem sind wir aufgrund des guten Erhaltungszustandes auch in der Lage, an erhaltenen Einzelknochen und Knochenfragmenten eine histomorphologische und eine histomorphometrische Altersbestimmung vorzunehmen. So konnte bereits anhand der Untersuchung eines Knochendünnschliffes aus dem linken Femur eines subadulten Individuums ein Alter von 5-7 (8) Jahren bestimmt werden. 

 

Abb.4 Mikrofotografie (Querschliff). Linkes Femur eines subadulten Individuums. Die innere und die äußere Generallamelle (Pfeile) sowie der Großteil des Osteonenknochens sind sehr gut erhalten, wodurch eine Altersschätzung von 5-7 (8) Jahren möglich war. Die äußere Randzone ist weniger „farbintensiv“. Das heißt, dass in diesem Bereich das Kollagen nicht so gut erhalten ist wie in den inneren 2/3 des Knochenquerschnittes. Betrachtung mit dem Mikroskop im polarisierten Durchlicht unter Verwendung eines Hilfsobjektes Rot 1. Ordnung (Quarz) als Kompensator (25fache Vergrößerung, Foto: S.Klinger).
Abb.5 Mikrofotografie (Querschliff). Linkes Femur eines subadulten Individuums (Vergrößerung aus Abbildung 2). In dem Bild sind mehrere gut erhaltene Osteone mit ihrer lamellären Struktur sichtbar. Das Kollagen ist sehr gut erhalten. Die kleinen schwarzen Punkte stellen Osteozytenhöhlen dar. Betrachtung mit dem Mikroskop im polarisierten Durchlicht unter Verwendung eines Hilfsobjektes Rot 1. Ordnung (Quarz) als Kompensator (100fache Vergrößerung, Foto: S.Klingner).

Von dem Kinderfemur wurde auch ein Röntgenbild angefertigt. Die kompakten und spongiösen Bereiche sowie der trajektorielle Bau im Kopf- und Halsbereich des Oberschenkelknochens sind aufgrund des guten Erhaltungszustandes ebenfalls sehr gut zu erkennen (Abb. 6).

Abb.6 Röntgenbild. Linkes Femur eines subadulten Individuums (Individuum aus Abbildung 2–4). Die spongiöse Struktur im Schaft und der trajektorielle Bau im Kopf- und Halsbereich sind sehr gut sichtbar (40kV, 3min, a-p, Röntgenbild: S.Klingner).

Auch die Knochenoberflächen weisen teilweise einen sehr guten Erhaltungszustand auf, so dass die für eine paläopathologische Untersuchung wichtige oberflächliche Knochenschicht, die Corticalis, oft noch vorhanden ist. So konnten auf der Lamina interna eines erwachsenen Individuums aus Schmerlecke Spuren eines gut verheilten meningealen Entzündungsprozesses diagnostiziert werden. Die Schädelfragmente des Os frontale und der Ossa parietalia zeigen eine vernarbte Oberfläche mit teilweise sehr gut integrierten kleinen Platten (Abb. 7 und 8). Vereinzelt sind auch mit Knochengewebe schon fast vollständig verfüllte, feine Gefäßimpressionen zu erkennen.

Abb.7 Foto der Lamina interna eines erwachsenen Individuums. Im vorderen Abschnitt des linken Os parietale ist die Oberfläche narbig-wulstig und weist sehr gut integrierte Platten auf (Foto: S.Klingner).
Abb.8 Endoskopfoto der Lamina interna aus Abbildung 7. Die vernarbte Oberfläche ist glatt und glänzed, was die gute Erhaltung der Corticalis belegt. Im Zentrum des Bildes sind zwei gut in die Oberfläche integrierte Platten sichtbar, die im Zuge einer entzündlichen meningealen Reizung gebildet wurden (Foto: S.Klingner).

Durch die rasterelektronenmikroskopische Untersuchung (Abb. 9-10) konnte bestätigt werden, dass es sich bei den Oberflächenstrukturen auf der Lamina interna sicher um intravitale Veränderungen handelt, die auf eine abgeheilte, entzündliche meningeale Reizung zurückzuführen sind. Ein diagenetischer Prozess als Ursache dieser Neubildungen kann zweifelsfrei ausgeschlossen werden.

Abb.9 Rasterelektronenmikroskopisches Foto der Lamina interna eines erwachsenen Individuums aus Schmerlecke (Individuum aus Abbildung 7 und 8). Auf dem Bild ist eine intravital entstandene Platte erkennbar, welche gut in die Oberfläche integriert ist und einen abgeheilten meningealen Entzündungsprozess repräsentiert (Vergrößerung 40x, Foto: M. Schultz).
Abb.10 Rasterelektronenmikroskopisches Foto der Lamina interna eines erwachsenen Individuums aus Schmerlecke. Auf dem Bild ist der Rand der Platte aus Abbildung 9 sichtbar. Die intravital erhaltene Grenze zwischen der neu gebildeten, in die Oberfläche integrierten Platte und der Oberfläche ist hier sehr gut erkennbar (Vergrößerung 100x, Foto: M. Schultz).

Auch in den pneumatischen Räumen des Schädels ist die Erhaltung trotz postmortaler Verschmutzung durch eingedrungene Erde offensichtlich gut. Bei einem rechten Os temporale konnten in einer retrosinuösen Zelle kleine Knochenzapfen mit glatten Köpfchen entdeckt werden, die eine Einschmelzung des ursprünglich vorhandenen Septums infolge eines entzündlichen Prozesses belegen (Abb. 11 und 12).

Abb.11 Foto eines rechten Os temporale. Im Sulcus des Sinus sigmoideus ist eine brückenförmige Knochenneubildung zu erkennen. In einer dahinter liegenden retrosinuösen Zelle befinden sich wenige kleine Knochenzapfen, die offenbar Reste eines eingeschmolzenen Septums repräsentieren (Foto: S.Klingner).
Abb.12 Endoskopfoto einer rechten retrosinuösen Zelle (Individuum aus Abbildung 11). In dem Bild sind vier kleine Knochenzapfen mit abgerundeten Köpfchen zu sehen. Das dort ursprünglich vorhandene Septum zwischen zwei pneumatischen Zellen wurde offenbar eingeschmolzen (Foto: S.Klingner)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die allgemeine Erhaltung der bisher ergrabenen Knochen und Knochenfragmente im Durchschnitt sehr gut ist. Dies verspricht gute Ergebnisse bei der DNA-Analyse, der Untersuchung von stabilen Isotopen und bei der histologischen Begutachtung. Es ist davon auszugehen, dass die weitere Fortführung dieser Untersuchungen ebenfalls als sehr erfolgreich anzusetzen ist.

 

Neues aus Schmerlecke: die wichtigsten Ergebnisse der Kampagnen und weiteren Forschungen 2010 und 2011

UNDER CONSTRUCTION

Grab II

Die weiteren Grabungskampagnen haben das Bild, das sich bereits zu Beginn der Forschungen in Schmerlecke zeigte (siehe oben), bestätigt und in vielen Teilen ergänzt.
Grab II zeigt weiterhin eine sehr gute Erhaltung nicht nur der Grabkonstruktion, sondern auch der Funde und Befunde im Kammerinneren. Besonders hervorzuheben hierbei die Kammersohle, die im westlichen Teil des Grabes etwa 75 bis 95 cm unter der heutigen Oberfläche liegt. Sie besteht aus einem sehr festen und homogenen Lehmestrich und weist eine bisher nicht von anderen Galeriegräbern bekannte Form auf: in der Mitte des Grabes ist ein gegenüber der übrigen Sohle etwa 15 bis 20 cm erhöhter und 50 bis 75 cm breiter Steg erhalten, der die gesamte westliche Hälfte des Grabes dominiert und am westlichen Kammerende ausläuft (Abb. 1). Neben diesem erhöhten Steg fanden sich zu beiden Seiten in tieferen Lagen nahe den Wandsteinen menschliche Knochenreste, zum Teil regelrecht nach Langknochen sortiert (Abb. 2). Einige dieser Knochen waren wiederum in einzelnen, durch in die Kammersohle fundamentierte querstehende Kalksteinplatten abgetrennten Bereichen, niedergelegt worden. Bestattungsbezirke sind vor allem aus Gräbern der Soester Börde bekannt, kommen aber auch in anderen Anlagen der Hessisch-Westfälischen Megalithik vor.
Auch die Funde im Kammerinneren erweitern das Bild, das bislang von den Beigaben in einem hessisch-westfälischen Galeriegrab bekannt ist. Inzwischen konnten mehrere große Klingen aus importiertem Rijckholt-Feuerstein nachgewiesen werden, sowie auch ebenfalls importierte Kupferspiralrollen und -bleche. Frappierend ist die Anzahl und Vielfalt der bislang dokumentierten Tierzahnanhänger, die sich schon jetzt auf weit über 500 beläuft und in keinem anderen Grab nachgewiesen werden konnte (http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/view/steinzeit-menschen-liebten-schmuck-18199/). Besondere Beachtung wird bei der Auswertung eine sehr fein gearbeitete, kleine Silexdolchklinge finden, deren Herkunft noch geklärt werden muss.

Abb. 1 Schmerlecke Grab II: Kammersohle mit mittigem Laufsteg (Foto H. Menne, LWL)
Abb. 2: Schmerlecke Grab II: Detail der Kammersohle mit Lage der Langknochen (Foto K. Peters, LWL)

Grab III

Trotz der stärkeren Zerstörung von Grab III sind auch hier bemerkenswerte Funde zutage gekommen. Besonders hervorzuheben ist das Fragment einer rillenverzierten Doppelaxt vom Hannoverschen Typ, das enge Beziehungen zur nördlich unmittelbar benachbarten Trichterbecherkultur bezeugt (Abb. 3). Durchaus als außergewöhnliche Grabbeigaben sind auch zwei grob zugerichtete Silexgeräte zu bezeichnen, denen noch eine Markasitknolle anhaftete: hier wurden den Bestatteten offensichtlich ihre Feuerzeuge mit ins Grab gegeben (Abb. 4). Ein an der Durchlochung grün verfärbter Tierzahnanhänger verrät eine kombinierte Trageweise von Kupfer und Zahnschmuck, der in dieser Form bisher nur vermutet werden konnte (Abb. 5). Dies ermöglicht auch erstmals eine genauere Datierung der Verwendung von Kupferschmuck in der jahrhundertelangen Belegungszeit des Grabes.

Abb. 3 Doppelaxtfragment vom Hannoverschen Typ (Foto H. Menne, LWL)
Abb. 4 Silex-Feuerzeug mit Markasitknolle (Foto H. Menne, LWL)
Abb. 5 Tierzahnanhänger mit grüner Verfärbung (Foto H. Menne, LWL)

Das Umfeld der Kollektivgrabnekropole

Abb. 6 Kreisgrabenanlagen nahe der Galeriegräber (Grafik E. Cichy, LWL)
Abb. 7 Mögliche Siedlungsareale nahe der Galeriegräber von Schmerlecke (Grafik K. Schierhold, WWU; Luftbild: Geocontent 2011)
Abb. 8 Geomagnetikmessbild mit Doppelgrabenstruktur, Detail (Grafik K. Schierhold, WWU; E. Erkul, CAU Kiel)

Neben der Dokumentation der beiden Schmerlecker Galeriegräber liegt ein weiterer Schwerpunkt der Forschungen auf dem unmittelbaren Umfeld der Kollektivgrabnekropole.
So wurden zwei der benachbarten im geomagnetischen Messbild sichtbaren Kreisgrabenanlagen ausschnitthaft untersucht (Abb. 6). Es zeigte sich östlich von Grab III ein einfacher Kreisgraben von ca. 19 m Durchmesser und ca. 0,85 m Breite. Nördlich des Grabes konnte ein weiterer  Kreisgraben von etwa 17 m Durchmesser und ca. 0,95 m Breite dokumentiert werden. Im Inneren dieses Grabens liegt leicht versetzt zur Mitte ein doppelter Pfostenkranz von 11 m Durchmesser. Die Pfosten sind ihrerseits versetzt zueinander angeordnet. Die Auswertung der wenigen Funde aus beiden Anlagen befindet sich in Bearbeitung, doch deutet sich eine endneolithische Zeitstellung für den Kreisgraben nördlich des Grabes III an.

Die Suche nach möglicherweise zu den Gräbern gehörenden Siedlungen wurde zunächst anhand von Flurbegehungen im unmittelbaren Umfeld der Gräber begonnen. Dabei kristallisierten sich zwei Areale 500 m nördlich und nordöstlich der Nekropole anhand der Oberflächenfunde als Flächen mit erhöhter neolithischer Aktivität heraus (Abb. 7).

 

 

 

 

 

Eine daraufhin durchgeführte  geophysikalische Prospektion auf der nordöstlich zur Nekropole gelegenen Fläche erbrachte einen Hinweis auf eine größere Doppelgrabenstruktur mit einer Unterbrechung, die möglicherweise auf ein Erdwerk schließen lässt (Abb. 8). Weitere Untersuchungen sind geplant.

Weitere Monumente: Erdwerke in der Soester Börde

Abb. 9 Luftbild des Erdwerks von Bad Sassendorf (Foto S. Berke, LWL)
Abb. 10 Grabenkopf mit in den anstehenden Fels eingearbeitetem Graben und Verfüllung (Foto H.-J. Beck, LWL)
Abb. 11 Luftbild des Erdwerks von Soest-Müllingsen (Foto M. Baales, LWL)

Nicht nur Megalithgräber sind Ausdruck früher Monumentalität, auch Erdwerke als mehrere Hektar umfassende, die Landschaft dominierende Anlagen gehören in diesen Kontext und erhalten im Rahmen des SPP 1400 große Aufmerksamkeit. In der Soester Börde waren bislang drei Erdwerke von Soest-Burgtheaterplatz, Uelde-Mellrich und Bad Sassendorf bekannt, von denen nur das erste untersucht und monographisch vorgelegt ist (Knoche 2008).
In nur 3 km Entfernung zur Kollektivgrabnekropole Schmerlecke ist seit den späten 1980er Jahren das Erdwerk bei Bad Sassendorf nachgewiesen, dessen Zeitstellung bisher unklar war (Abb. 9). Im Rahmen des Projekts konnte nun eine kleine Sondage an einem der Grabenköpfe realisiert werden (Cichy/Schierhold/Baales 2011).

 

 

 

 

Unter einem etwa 0,5 m mächtigen künstlichen Bodenauftrag wurde ein 2,80 m breiter und bis zu 1 m tiefer Graben aufgedeckt, der ab einer Tiefe von 0,75 m unter der Geländeoberkante in den dort anstehenden Kalkstein eingearbeitet worden war (Abb. 10). Der Grabenkopf zeigte sich abgerundet und abgeschrägt. Die Verfüllung war stark durchsetzt mit großen Kalksteinplatten. Vor allem aus dem unteren Bereich dieser Verfüllschicht konnten Funde geborgen werden. Hauptsächlich handelt es sich um Tierknochen, darunter auch das Skelettfragment eines großen Auerochsen. Daneben fanden sich menschliche Knochenfragmente sowie wenig Keramik, die michelsbergzeitlich einzustufen ist. Eine AMS-Datierung des Auerochsenfragments erbrachte eine diese Einschätzung bestätigende  Zeitstellung um 4000 v. Chr.

 

 

Neben dem schon angesprochenen möglichen Erdwerk in unmittelbarer Nähe zur Schmerlecker Nekropole (s.o.) konnte ein weiterer in diesen Zusammenhang zu stellender Befund erstmals bei einer Befliegung entdeckt werden. Es handelt sich um eine Grabenstruktur mit zwei Durchlässen bei Soest-Müllingsen (Abb. 11). Begehungen und geophysikalische Prospektionen sind bereits erfolgt bzw. in Planung.

Die weiteren Galeriegräber der Soester Börde

Bereits lange bekannt sind weitere Gräber in der Soester Börde, die der hessisch-westfälischen Megalithik zuzurechnen sind, so die Anlagen von Hiddingsen bei Soest, Ostönnen bei Werl, Uelde bei Mellrich und das nichtmegalithische Kollektivgrab von Völlinghausen bei Erwitte, das baulich so große Ähnlichkeiten zu Schmerlecke III aufweist (s.o.). In der unmittelbaren Umgebung dieser Gräber und auf bereits bekannten eventuell zugehörigen Siedlungsarealen laufen zurzeit Flurbegehungen sowie geophysikalische Prospektionen, um möglicherweise weitere, noch unbekannte Gräber aufzufinden sowie die Besiedlung besser einschätzen zu können.