Sie sind hier: Die Projekte / Differenzierung von Landwirtschaft und Umwelt / Projektbeschreibung
Differenzierung von Landwirtschaft und Umwelt als Grundlage früher Monumentalität im Neolithikum Norddeutschlands

Ziele

Landwirtschaft und Landschaft sind von zentraler Bedeutung zum Verständnis der mittelneolithischen Trichterbecherkultur und der mit ihr verbundenen Phänomene der Monumentalität. Auslösend für eine Phase monumentaler Aktivitäten war eine veränderte Ökonomie in Form von Ackerbau und Viehzucht. Eine landwirtschaftliche Überschussproduktion, die Erschließung neuer Austauschsysteme und eine damit einhergehende soziale Differenzierung sind mögliche Auslöser für die unvermittelt einsetzende Errichtung von Monumenten im mittleren Neolithikum.

Mittels archäo- und paläobotanischer Untersuchungen sollen nun für Norddeutschland und die angrenzenden Regionen im mittleren Neolithikum die naturräumlichen Gegebenheiten bestimmt, die Nutzung natürlicher Ressourcen ermittelt und die Prinzipien der Landwirtschaft identifiziert werden. Die Ergebnisse werden sowohl denen aus jüngeren und älteren Epochen gegenübergestellt als auch mit zeitgleichen Entwicklungen in anderen Landschafträumen verglichen werden.

Den folgenden zentralen Fragen wird nachgegangen:

  • Wie sah die Landschaft zu Beginn des Mittelneolithikums aus, wie stark haben die Träger der Trichterbecherkultur die Landschaft geöffnet und warum ist es im Spätneolithikum zu Wiederbewaldungen gekommen?

  • Welche Kulturpflanzen wurden angebaut, lassen sich aus den Unkräutern spezielle Wirtschaftsweisen und Bodeneigenschaften der Äcker ableiten, welche Flächen mögen die Felder eingenommen haben?

  • Gab es eine selektive Holznutzung, lassen sich aus der Jahrringbreiten Bestandsdichten des Waldes ableiten und weisen die Holzkohlen auf Waldränder, Hecken und Dornengebüsch als Weideunkraut hin?

Methoden

Paläoökologische Methoden (Pollenanalysen, Sedimentanalysen, Tephrochronologie, Makrorestanalysen von Kultur- und Wildpflanzen, Holzkohleanalyse und Dendroökologie) werden zu einer umfassenden Rekonstruktion anhand von off-site- und on-site-Daten führen.

Bei der Untersuchung von natürlichen Archiven (Seesedimente und Torfe) wird eng mit den Arbeitsgruppen Dreibrodt/Bork/Brauer und Schneider/Weinelt zusammengearbeitet werden. Neben der zeitlich hoch auflösenden Analyse von jahresgeschichteten Ablagerungen wird es eine Zusammenstellung von Pollendiagrammen aus dem norddeutschen Raum in digitaler Form geben. An den einzelnen Grabungsplätzen werden in der ersten Projektphase Prospektionen erfolgen, um die Eignung von Sedimenten zur Beantwortung der Forschungsfragen zu überprüfen.

Im Rahmen der Makrorest- und Holzkohleanalyse wird im Sinne eines modularen Zentralprojekts mit gleicher Methodik an mehreren Grabungsprojekten Proben genommen und werden begleitende archäo- und paläobotanische Untersuchungen durchgeführt. Nach einem vorgegebenen Schema und einer Einweisung werden die Entnahme und das Schlämmen von Makrorest- und Holzkohleproben von den einzelnen Grabungsteams durchgeführt.

In der Auswertung sollen Analysen einzelner Fundplätze durchgeführt werden, die zur Umweltrekonstruktion verschiedener Regionen zusammengeführt und letztlich in ein im Rahmen des SPP zu entwickelndes Modell für den Raum der norddeutschen Trichterbecherkultur integriert werden sollen. Auf diesem Weg werden repräsentative Einzeluntersuchungen zeigen, wie einheitlich oder spezialisiert die Landwirtschaft und Umwelt im norddeutschen Raum der Trichterbecherkultur ausgeprägt waren.

Forschungsstand

Der bisherige Wissensstand zur Wirtschaftsweise während der Trichterbecher-Kultur ist äußerst lückenhaft. Neben der Neuerhebung von Daten soll auch der Archivbestand kritisch aufgearbeitet und in einer zentralen Datenbank zusammengefasst werden. In diesem Zusammenhang sind Neudatierungen und Nachbearbeitungen sowohl von Makrorest- und Holzkohle-Belegen als auch von Pollendiagrammen vorgesehen.